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Drei Texte zur Ausstellung in Kurz- (1.213 Zeichen), Mittel- (2.416 Zeichen) und Langform (3.563 Zeichen) sowie 20 Fotodateien.

Die Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“ stellt ein kleines Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns in den Mittelpunkt: Ein katholisch getauftes und erzogenes Mädchen, das nur fünf Jahre alt werden durfte, weil seine Mutter Jüdin war. Gabi ist viel fotografiert worden. Aus den kleinformatigen Fotos von einst sind großformatige Drucke geworden, die dem Besucher Gabis glückliche Tage auf dem Bauernhof seiner Pflegeeltern im Allgäu lebhaft vor Augen führen. Die Schattenseiten thematisiert die Ausstellung auf den Rückseiten der schönen Fotos: die verzweifelten Versuche von Gabis Mutter, sich und ihre Tochter aus Deutschland zu retten und die zunehmende Verfolgung der Juden durch die Machthaber bis zum massenhaften Mord. Es sind Spiel- und Anziehsachen von Gabi zu sehen, Zeitzeugen erzählen in einer Videostation von ihrer „geliebten Gabi“. Die Ausstellung schließt mit den Worten: „Gabi lebt solange wir uns an sie erinnern.“ Möglich wurde die Wanderausstellung durch eine Förderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung im Rahmen des Programms „LandKULTUR“ sowie eines Zuschusses der Bezirk Schwaben Stiftung für Kultur und Bildung.

Text kurz: 1.213 Zeichen

Die Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“ gibt Einblick in das Leben von Gabriele Schwarz. Fünf glückliche Jahre verbrachte die Kleine im Kreis einer Bauernfamilie, geliebt wie ein eigens Kind. Doch wie hunderttausende andere Kinder wurde auch Gabi ein Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten. Ihre Mutter war eine Jüdin aus Augsburg. Den Vater hat sie niemals genannt, wahrscheinlich ein Nicht-Jude, dem wegen Rassenschande der Prozess gemacht worden wäre. Gabi selbst aber galt nach einer Ausnahmeregelung der Nürnberger Rassengesetze von 1935 als „Volljüdin“. 1942 wurde ihre Mutter ermordet, ein Jahr später hieß es auch für die kleine Gabi Abschied nehmen von ihrer Allgäuer Heimat. Über das Zwischenlager München-Berg am Laim kam sie nach Auschwitz, wo sie an Ort und Stelle in der Gaskammer umgebracht wurde. In fünf Stationen kann man ihr Aufwachsen auf dem Bauernhof verfolgen. Viele Fotos wurden von ihr gemacht, von denen eine Auswahl in der Ausstellung gezeigt wird. Spiel- und Anziehsachen, die mal Gabi gehört haben, sind zu sehen, in einer Hörstation wird ihr Schicksal nach dem Abschied von ihren Pflegeeltern erzählt, in einer Videostation erinnern sich Zeitzeugen an das kleine Mädchen. Die letzte Station ist dem Gedenken gewidmet, die überschrieben ist: „Gabi lebt solange wir uns an sie erinnern.“ Die wissenschaftliche Grundlage, die Fotos und die gezeigten Exponate lieferte der Allgäuer Autor und Filmemacher Leo Hiemer, der sich mit Gabis Schicksal intensiv beschäftigt hat. 2019 legte er sein Buch „Gabi (1937—1943). Geboren im Allgäu – ermordet in Auschwitz“ vor, in dem er das Ergebnis seiner langjährigen Forschungen präsentiert. Leo Hiemer ist auch im Rahmenprogramm der Ausstellung zu sehen: er liest aus seinem Buch, führt durch die Ausstellung und begleitet seinen Spielfilm „Leni …muss fort“, der in den örtlichen Kinos gezeigt wird. Kuratiert wurde die Ausstellung von der Volkskundlerin Regina Gropper M.A., die Führungen für Schulklassen anbietet und ein Erinnerungscafé anbietet. In einem Gesprächsforum sollen Zeitzeugen und Fachleute Gelegenheit erhalten, Verfolgungsgeschichten vor Ort vorzustellen. Möglich wurde die Wanderausstellung durch eine Förderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung im Rahmen des Programms „LandKULTUR“ sowie eines Zuschusses der Bezirk Schwaben Stiftung für Kultur und Bildung.

Text mittel: 2.416 Zeichen

Das erste, was in dieser bemerkenswerten Wanderausstellung auffällt, sind die schönen Kinderfotos. Wir sehen ein kleines Mädchen, das inmitten einer paradiesischen Landschaft aufwächst, behütet und geliebt von seinen Pflegeeltern, einem Bauernpaar aus dem Allgäu, geliebt aber auch von ihrer Mutter, einer Jüdin aus Augsburg, die ihre Kleine besuchte, so oft sie konnte – und die auch einen Fotoapparat auf dem Hof zurück ließ, mit dem das Aufwachsen der Kleinen dokumentiert werden sollte. Und diese Fotos sind ein Schatz! Wohl kaum ist je ein Kind auf einem Bauernhof jener Zeit so viel fotografiert worden wie Gabi. Und Gabi war stets herausgeputzt, oft machte man ihr eine große weiße Schleife ins Haar. Ihre Mutter brachte immer schöne Sachen zum Anziehen für sie mit. Es sollte Gabi an nichts fehlen. Auch an Spielsachen war kein Mangel: nicht nur Bauklötze mit Märchenmotiven hatte Gabi, sondern auch eine Puppe, einen Puppenwagen, eine Puppenwiege und sogar eine richtige Puppenküche. Gabis Pflegevater hatte ihr extra eine Kindergabel gemacht, damit sie mit aufs Feld konnte zum Heuen. Diese Gabel ist auf einem der Fotos in Gabis Hand zu sehen – und sie wird als Exponat gezeigt. Hier holt den Besucher die längst vergangen geglaubte Zeit ein. Diese Gabel ist Zeugnis der Liebe, der Liebe eines katholischen Bauern zu einem kleinen Mädchen, das den Nationalsozialisten als „Volljüdin“ galt. Gabi wurde geliebt – von ihrer Mutter wie von ihren Pflegeeltern. Und Gabi wurde gehasst – von Nationalsozialisten, die sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, das katholisch getaufte und erzogene, blonde und blauäugige Kind einmal selbst in Augenschein zu nehmen. Schließlich stand das Urteil schon fest, als sie noch gar nicht geboren wurde. 1935, zwei Jahre vor Gabis Geburt, bestimmte eine Sonderregelung der Nürnberger Rassengesetze, dass Kinder wie Gabi mit einer jüdischen Mutter und einem unbekannten Vater als „Volljuden“ zu gelten haben. Dass der Vater nur deshalb nicht genannt sein wollte, weil er sonst als Verbrecher dagestanden hätte, der sich der „Rassenschande“ schuldig gemacht hat und ins Zuchthaus gesperrt würde, tat nichts zur Sache. Gabi musste fort. Im Februar 1943 war es soweit. Die Pflegeeltern erhielten den Befehl, ihre geliebte Gabi am nächsten Morgen auf den ersten Zug zu bringen. Es half alles nichts. Sie mussten gehorchen. Verzweifelte Versuche des Dorflehrers und des Pflegevaters, Gabi zurück zu holen, scheiterten. Am 16. März 1943 wurde Gabi in Auschwitz ermordet. Die schreckliche Kehrseite der glücklichen Kinderfotos entdeckt man, wenn man um die Stationen herum geht. Dort ist die sich ständig verschärfende Verfolgung dokumentiert, dort wird von den letztlich vergeblichen Versuchen von Gabis Mutter berichtet, sich und ihr Kind mit Hilfe von Kardinal Faulhaber ins Ausland zu retten. Erschüttert bleibt der Besucher zurück. Wie sich hier Idylle und Hölle, glückliche Kindheit und Kindsmord begegnen, macht schaudern. Am Ende wird aufgezeigt, dass Gabi nicht das einzige Kind mit so einem schrecklichen Schicksal war: Man schätzt die Zahl der ermordeten Kinder allein in Auschwitz auf über 100.000. Ein Schicksal begann hier in der heilen Allgäuer Welt. Der Wahn, eine angeblich minderwertige Rasse auslöschen zu müssen, reichte bis in die Idylle und tötete auch kleine Kinder, geliebt wie Gabi. Möglich wurde die Wanderausstellung durch eine Förderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung im Rahmen des Programms „LandKULTUR“ sowie eines Zuschusses der Bezirk Schwaben Stiftung für Kultur und Bildung.

Text lang: 3.563 Zeichen

Geliebte Gabi

EIN MäDCHEN AUS DEM ALLGäU – ERMORDET IN AUSCHWITZ

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Digitale Ausstellung

Jeden Sonntag gibt es einen „Post von Gabi“: jeweils einen kurzen Videoclip zu Themen der Ausstellung.

Alle Clips wurden von Autor und Filmemacher Leo Hiemer produziert und werden auf dem youtube-Kanal Geliebte Gabi veröffentlicht: https://www.youtube.com/channel/UCPARCN92ZJ-h0ai-287Fc9Q

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